„Wir hätten uns so oder so in diesem Jahr mit einem neuen Einsatzfahrzeug auseinandersetzen müssen“, erklärt Fares Bäcker vom DRK Kierspe. „Durch unseren Unfall wurde dies jedoch nun sehr eilig und zum Kraftakt für unsere Gruppe“.
Seit zehn Jahren sind die Kiersper DRKler bereits als Helfer vor Ort unterwegs und unterstützen ehrenamtlich den Rettungsdienst. Fast die gesamte Zeit über verfügten sie über zwei Einsatzfahrzeuge, zwei Skoda Fabia mit entsprechender Sonderausstattung. Die Autos sind täglich unterwegs und rücken meist mehrfach pro Woche zum Einsatz aus. „Für dieses Jahr haben wir bereits Mittel vorgesehen, um den älteren der beiden Fabia abzulösen“, berichtet Volker Vollmann aus seinem Haushaltsplan.
Im November des vergangenen Jahres erfuhr der Plan jedoch eine jähe Änderung. Auf einer Einsatzfahrt wurde einer der Helfer vor Ort in einen Verkehrsunfall auf der Strecke zwischen Kierspe und Rönsahl verwickelt. „Wir sind sehr froh, dass alle Unfallbeteiligten unverletzt geblieben sind“, sagt Bäcker erleichtert. Gemeinsam mit Vorsitzendem Jochen Reiffert hatte er die Initiative zur Unterstützung des Rettungsdienstes Anfang 2004 ins Leben gerufen. Das Helfer vor Ort-Fahrzeug erlitt jedoch einen Totalschaden. Um dennoch weiterhin die Bereitschaft übernehmen zu können, verwenden die Helfer derzeit vorübergehend einen ihrer Mannschaftswagen.
Innerhalb weniger Monate engagierten sich Vorstand, Rotkreuzleitung und die Fuhrpark-Verantwortlichen des DRK Kierspe nun für ein neues Fahrzeug. „Der Fahrzeugmarkt hat sich in dieser Zeit jedoch sehr verändert“, erklärt Dominic Tofote, Fahrzeugwart des DRK. Als vor zehn Jahren die beiden Fabias angeschafft wurden, war es üblich, einen geeigneten PKW zu kaufen und diesen bei einem darauf spezialisierten Fahrzeugbauer als Einsatzfahrzeug mit Blaulicht, Funkgerät und Martinhorn umrüsten zu lassen. „Die moderne Elektronik in Autos lässt solche Umbauten immer weniger zu“, erklärt Tofote. Der daher sehr große technische Aufwand mache vor allem Kleinwagen als Einsatzfahrzeug sehr kostspielig. Zudem gebe es nur noch für sehr wenige Automarken überhaupt eine Genehmigung, diese als Einsatzwagen zu verwenden.
Daher komme es wirtschaftlich kaum noch in Frage, wie vor zehn Jahren einen Kleinwagen zu kaufen und diesen umbauen zu lassen, berichtet der Vorstand weiter.
„Als Alternative bieten die Fahrzeughersteller eigene Einsatzfahrzeuge ab Werk an“, erläutert Tofote weiter. Diese seien direkt mit der nötigen Ausstattung wie Blaulichtern und einer zusätzlichen Stromversorgung ausgerüstet.
„Uns bleibt daher keine wirtschaftlich sinnvolle Alternative, als ein Sonder-Fahrzeug ab Werk zu nehmen“, so Vollmann.
„Zudem war uns wichtig, weiterhin mit den Händlern in Kierspe bei Anschaffung und Service zusammenzuarbeiten“, erklärt der Schatzmeister weiter. So standen die Mitarbeiter des Autohauses Knabe in der gesamten Anfrage- und Recherchephase mit Rat und Tat zur Seite.
„Wie bei unserer gesamten Arbeit sind wir auch hier auf Spenden angewiesen“, schildert Helfer vor Ort-Initiator Fares Bäcker. Da ‚Helfer vor Ort‘ ein freiwilliges Zusatzprojekt des DRK ist, entstehen auch für den Märkischen Kreis als Rettungsdienst-Träger keine Kosten und auch den Krankenkassen gegenüber rechnet das DRK nicht ab. „Unsere Hilfe ist ehrenamtlich und vollständig spendenbasiert“, so Bäcker. Zur Finanzierung des neuen Fahrzeugs bittet das DRK daher um Spenden. „Sowohl Zuwendungen aus der Industrie als auch von privat würden uns sehr freuen. Wir sichern selbstverständlich die vollständig zweckgebundene Nutzung der Gelder zu“, ruft Schatzmeister Vollmann auf. Die Bankverbindung des DRK für Spenden ist IBAN DE77 4585 1665 0006 0026 61.
Die Helfer vor Ort haben an Wochentagen von 18 Uhr bis 6 Uhr Bereitschaft, am Wochenende rund um die Uhr. Kommt es in dieser Zeit zu einem lebensbedrohlichen Notfall im Kiersper Stadtgebiet, fahren je zwei Helfer zur Einsatzstelle. Die beiden Einsatzfahrzeuge haben sie dazu zuhause vor der Tür stehen und fahren somit innerhalb kürzester Zeit zur Adresse des Notfalls. Hier leisten sie erste Hilfe, bis die hauptamtlichen Kollegen vom Rettungsdienst aus Meinerzhagen eintreffen. Zumeist gemeinsam wird dann der Patient versorgt und von Rettungsdienst und Notarzt ins Krankenhaus gebracht, während der Helfer vor Ort vom DRK wieder nach Hause fährt. „Wir verkürzen damit das sogenannte therapiefreie Intervall“, erklärt Bäcker die Idee. Darunter verstehen die Rotkreuzler die Zeit zwischen dem Notfall an sich und der ersten Hilfe. Zwar sei der Rettungsdienst aus Meinerzhagen schnell zur Stelle und erfülle auch die gesetzlich geforderten Fristen. Da aber gerade bei lebensbedrohlichen Notfällen oftmals jede Minute zählt, war es dem DRK wichtig, die Hilfeleistung für die Kiersper Bevölkerung noch weiter zu verbessern.